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News: Besondere Wohnform

Ergebnisse der Stadtrallye zur barrierefreien Stadt Lippstadt an Bürgermeister Alexander Tschense übergeben

Anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai 2026, zu dem die Aktion Mensch bundesweit aufgerufen hatte, beteiligten sich Leistungsberechtigte der AWO Besonderen Wohnform Haus Lippstadt mit einer Stadtrallye. Ziel war es, die Barrierefreiheit in Lippstadt aus eigener Perspektive zu prüfen und Verbesserungspotenziale sichtbar zu machen.

Unter der Leitfrage „Wie frei kann ich mich in Lippstadt mit körperlicher oder psychischer Beeinträchtigung bewegen?“ erkundeten die Teilnehmenden die Innenstadt. Dabei ging es nicht nur um bauliche Barrieren, sondern auch um Verständlichkeit von Informationen und Beschilderungen – insbesondere dort, wo keine einfache Sprache verwendet wird.

Die Ergebnisse der Rallye wurden nun, am 11. Mai 2026 im Rathaus vorgestellt. Bürgermeister Alexander Tschense sowie Nicole Begger vom Fachdienst Soziales und Integration nahmen sich Zeit für den Austausch mit Carolin Rustemeier (Einrichtungsleitung der AWO Besonderen Wohnform Haus Lippstadt) sowie Clara Oldenbüttel (Mitarbeiterin der AWO Besonderen Wohnform Haus Lippstadt). In konstruktiver Atmosphäre wurden Beobachtungen, konkrete Beispiele und Verbesserungsvorschläge besprochen.

Ein zentrales Thema war die unterschiedliche Wahrnehmung von Beeinträchtigungen: Während sichtbare Einschränkungen – etwa bei Rollstuhlnutzer*innen – häufig auf Verständnis stoßen, werden geistige Beeinträchtigungen, psychische Erkrankungen, Angststörungen, Lernschwierigkeiten oder Demenz im Alltag oft nicht erkannt oder ausreichend berücksichtigt. Dies kann zu Unsicherheiten oder negativen Reaktionen führen.

Bei der Stadtrallye fiel unter anderem auf, dass Baustellenbeschilderungen häufig komplex und schwer verständlich sind. Teilweise seien Gehwege so schmal, dass Gruppen nicht nebeneinander gehen könnten. Dies führe insbesondere bei Menschen mit Unsicherheiten oder Ängsten zu Stress.

Als konkretes Beispiel nannten die Teilnehmenden die barrierefreie Toilette am Rathausplatz. Für Rollstuhlfahrer*innen sei nicht unmittelbar erkennbar, ob diese besetzt ist. Erst nach dem Befahren der Rampe lasse sich dies feststellen – ein Wenden oder Ausweichen sei aufgrund der schmalen Rampe jedoch kaum möglich. Auch die Nutzung des Schließsystems sei nicht selbsterklärend. Zudem wurden die Pflastersteine auf dem Rathausplatz als problematisch beschrieben, da sie für Rollstuhlnutzer*innen, Rollator-Nutzer*innen und unsichere Fußgänger*innen eine erhöhte Sturzgefahr darstellen.

Neben kritischen Punkten wurden auch positive Aspekte hervorgehoben. So lobte die Gruppe, dass vielerorts bereits mit gut verständlichen Piktogrammen gearbeitet werde, barrierefreie Zugänge zu öffentlichen Gebäuden vorhanden seien und Behindertentoiletten zur Verfügung stünden.

Bürgermeister Alexander Tschense zeigte Verständnis für die geschilderten Erfahrungen und verwies auf bereits umgesetzte sowie geplante Maßnahmen zur Verbesserung der
Barrierefreiheit. So könnten etwa Hinweise auf Baustellen oder Bauvorhaben vergleichsweise unkompliziert in einfacher Sprache und mehrsprachig gestaltet werden. Zudem würden betroffene Menschen bereits bei der Planung von Gebäuden und Veranstaltungen einbezogen. Mit dem Koordinierungskreis zur Wahrung der Belange von Menschen mit Behinderung in Lippstadt bestehe darüber hinaus eine Arbeitsgruppe, die sich kontinuierlich mit inklusiver Stadtentwicklung befasse.

Auch die an der Rallye teilnehmenden Leistungsberechtigten der AWO Besonderen Wohnform Haus Lippstadt hatten im Vorfeld eigene Ideen entwickelt: Der verstärkte Einsatz von leichter Sprache, klaren Piktogrammen und Farbmarkierungen bei Wegweisern und Hinweisschildern könne die Orientierung erleichtern. Ebenso seien Sensibilisierungskampagnen denkbar, die das Bewusstsein in der Stadtgesellschaft stärken und zu mehr gegenseitiger Rücksichtnahme anregen.

Carolin Rustemeier und Clara Oldenbüttel betonten im Gespräch, dass allen Beteiligten bewusst sei, dass eine vollständig barrierefreie Stadt nicht von heute auf morgen realisiert
werden könne. Entscheidend sei jedoch, kontinuierlich auf Verbesserungen hinzuarbeiten und die Öffentlichkeit für unterschiedliche Formen von Beeinträchtigungen zu sensibilisieren.
Ziel sei eine Stadt, in der sich möglichst alle Menschen sicher und respektiert bewegen können.

Alexander Tschense und Nicole Begger dankten der Gruppe für ihr Engagement und die offene Rückmeldung. Die eingebrachten Hinweise seien wertvolle Impulse für die weitere
Arbeit an einer inklusiven Stadtentwicklung in Lippstadt.

Übergabe der Ergebnisse der Stadtrallye im Zuge des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai 2026, zu dem die Aktion Mensch bundesweit aufgerufen hatte: v.l.n.r: Clara Oldenbüttel (Mitarbeiterin der AWO Besondere Wohnform Haus Lippstadt), Carolin Rustemeier (Einrichtungsleitung der AWO Besondere Wohnform Haus Lippstadt), Alexander Tschense (Bürgermeister der Stadt Lippstadt), Nicole Begger (Fachdienst Soziales und Integration)
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